Was ist gesund für das Pferd?

Um herauszufinden, welche Haltungsweise für ein Pferd gesund ist, ist es von essenzieller Notwendigkeit, sich mit der Natur und den Instinkten des Tieres auseinanderzusetzen. Wie hat sich der Körperbau des Pferdes in der Evolution entwickelt, und wieso? Diese grundlegende Frage sollte beantwortet werden, um die natürliche Lebensweise des Tieres erfassen zu können. Denn nur so ist es möglich, eine artgerechte Haltung zu gewährleisten. Logisch, denn was einem Pferd in seiner natürlichen Umgebung guttut, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch als domestiziertes Haus- oder Nutztier sinnvoll sein. Denn für viele sind die treuen Begleiter viel mehr als das. Sie sind Familienmitglieder, für die der Besitzer die Verantwortung trägt, die Zeit bei uns Menschen so schön wie möglich zu gestalten.

Die Entwicklungsgeschichte der Pferde

Wie haben sich Pferde im Laufe der Zeit verändert, um sich an ihre Umwelt anzupassen?
Pferde sind Fluchttiere, daher haben sie im Laufe der Jahrhunderte längere Hälse bekommen, damit die Herde Raubtiere auf der Pirsch leichter enttarnen konnte.
Die immer länger werdenden Beine und die Rückbildung der Zehen dienten der möglichst schnellen Fortbewegung auf der Flucht, und die teils granitharten Hufe erhöhen die Ausdauer und dienen der Verteidigung.
Die Verbindung und Kommunikation mit den anderen Pferden in der Herde unterstützt die physiologischen Funktionen des Pferdes.
Die Pferdezähne entwickelten sich von den abgerundeten Höckern der Fruchtfresser zu den schärferen Spitzen, die für Blattfresser typisch sind.
Dass das Urpferd seine Nahrung von Blättern auf Gras umstellte, hatte wiederum zur Folge, dass sich der Verdauungsapparat und das Gebiss im Rahmen der Evolution angepasst und sich vergrößert hat.
So kann das nahrungsarme Futter in den 12 bis 14 Fressstunden täglich besser verwertet werden.

Da der gesamte Körper des Pferdes auf Schnelligkeit und Ausdauer ausgelegt ist, ist viel Bewegung an der frischen Luft für den Kreislauf und die Unterstützung der Organfunktionen unerlässlich.
Es gibt verschiedene Haltungsformen, welche auf verschiedene Bedürfnisse von Tier und Halter ausgelegt sind und mehr oder weniger Bewegung zulassen.

Die Haltungsformen

Die klassische Boxenhaltung findet man in den meisten großen Reit- und Sportställen.
Die Pferde stehen einen Teil des Tages in der Box, den Rest verbringen sie auf der Weide.
Ob diese Haltungsform artgerecht ist, hängt von der Zeitspanne ab, in der das Tier Bewegung und Spiel mit seinen Artgenossen in der Herde haben kann.
Außerdem sollte die Boxengröße an die Größe des Tieres angepasst sein und große Fenster und Frischluftzufuhr ermöglichen.

Hochwertiges Einstreu verhindert Staub- und Pilzsporenbelastungen sowie die Ammoniakausdünstungen, welche bei einem Pferd zu langanhaltenden körperlichen Schäden führen können.
Das Pferd sollte jeden Tag Besuch vom Besitzer bekommen und ein besonders abwechslungsreiches Training genießen, damit keine Langeweile aufkommt.
Diese kann zu Verhaltensstörungen wie dem Weben und Koppen führen.
Ein an der Box angeschlossener Paddock, also ein kleiner Auslauf, kann diesen Störungen vorbeugen.

Immer beliebter wird die Unterbringung des Pferdes in einem Offenstall.
Hier kann das Pferd selbst zwischen einem Unterstand, welcher vor den Witterungsbedingungen schützt, oder einem Auslauf wählen.
Dieser sollte mit Sand oder ähnlichem trockengelegt sein, damit die Pferde nicht bei hohem Regenvorkommen im Matsch stehen und die Hufe auf langer Sicht zu Schaden kommen.
Im Offenstall ist jedem Herdenmitglied ein fester Platz in der Rangordnung zugewiesen.
Daher ist es wichtig, dass Fress- und Ruheplätze voneinander getrennt sind, damit auch rangniedrige Tiere fressen oder sich ausruhen können.
Die Eingewöhnung eines neuen Tieres in die Herde muss sehr behutsam geschehen, da die Verteidigung der Herde durch das Alpha-Tier bis hin zu Attacken auf den Neuling ein hohes Verletzungsrisiko darstellen.

Ein Aktivstall ist ähnlich aufgebaut wie ein Offenstall, nur dass die Pferde durch die Anordnung von Futter- und Trinkplätzen zusätzlich dazu animiert werden, sich zu bewegen.
Oftmals gibt es zusätzliche Flächen mit verschiedenen Untergründen und Wasserpassagen, um den Pferden Abwechslung zu bieten und ihre Koordination zu schulen.

Bei der Robusthaltung stehen die Pferde das ganze Jahr auf der Koppel und der Mensch greift nur dort ein, wo die Unterstützung, zum Beispiel durch Zusatzfutter, erfordert ist.

Das Verdauungssystem des Pferdes

Neben der Bewegung ist die Hauptbeschäftigung der Pferde in natürlicher Umgebung das Fressen.
Ihr Verdauungstrakt ist so aufgebaut, dass kleine Mengen auf einmal, aber dafür über einen langen Zeitraum hinweg passieren können.
Der Magen der Pferde bildet, anders als bei uns Menschen, den ganzen Tag über Magensäure, unabhängig ob das Pferd nun frisst, oder nicht.
Um einer Übersäuerung vorzubeugen, sollten Futterportionen möglichst klein, aber in kurzen zeitlichen Abständen verabreicht werden.

Das richtige Futter- Das A und O der Pferdehaltung

Pferdefutter wird in drei verschiedene Kategorien unterteilt.

  • Raufutter, 
  • Kraftfutter 
  • und Saftfutter.


Raufutter wie Heu, Stroh, Gras oder Silage bildet die lebenswichtige Grundlage der Fütterung.
Die raue Struktur regt die Tiere zum gründlichen kauen an, sodass der Fressvorgang langsam und in kleinen Etappen vonstattengeht, was wiederum die Verdauung unterstützt.
Pro 100 Kilogramm Gewicht benötigt ein Pferd anderthalb Kilogramm Heu, was bei einem durchschnittlichen Pferdegewicht von circa 500 Kilogramm ungefähr siebeneinhalb Kilogramm ergibt.

Als Überbrückung längerer Fütterungsabstände kann dem Pferd Stroh angeboten werden.
Durch den niedrigen Eiweißgehalt kann dieses über Stunden hinweg geknabbert werden, ohne, dass man für das Pferd eine Gewichtszunahme befürchten muss.
Wenn die Qualität des Heus nicht ausreicht, weil es zu viel staubt oder mit Schimmelpilzsporen befallen ist, können Heucobs hilfreich sein.
Hierbei handelt es sich um gemähtes Gras, welches in einem schonenden Warmluftverfahren getrocknet und zu Cobs gepresst wird.
Bei älteren Tieren mit Zahnproblemen können eingeweichte Heucobs sogar den kompletten Heubedarf ersetzen.

Kraftfutter stellt ein Ergänzungsfuttermittel für Pferde dar, welches in wenigen Rohfasern viel Energie liefert, wie beispielsweise Getreide oder Müsli.
Für Sportpferde und Zuchtstuten, die aufgrund ihrer körperlichen Leistung einen erhöhten Energiebedarf haben, können besonders Hafer und Gerste unterstützend wirken.
Besser verdaulich wird das Getreide, wenn es hydrothermisch aufgeschlossen wird, also vor der Fütterung mit Wärme und Druck behandelt wird.

Müslis bieten eine vollständige Vitaminisierung und Mineralisierung.
Sie bestehen aus verschiedenen Getreidesorten und können zusätzlich getrocknetes Gemüse, Luzerne, Leinsamen und Apfelflocken enthalten.

Mash auf Grundlage von Getreidekleie muss vor der Fütterung mit warmem Wasser zum Quellen gebracht werden, um der Verdauung des Pferdes nicht zu schaden.
Die Schleimstoffe stärken die Darmwand und schützen somit vor mechanischen Reizen, und stärken gleichzeitig das Immunsystem.
Weitere Spurenelemente wie Zink und Biotin verbessern Fell und Hufe unseres Vierbeiners.

Unser Pferd wird älter

Wenn das Pferd mit etwa 20 Jahren, abhängig von der Rasse, dem Lebenslauf und der Vitalität des Pferdes ins fortgeschrittene Alter kommt, liegt es in unserer Verantwortung, das Tier beim Altwerden so gut es geht zu unterstützen.
Gutes Training und das richtige Ergänzungsfuttermittel für Pferde können dafür sorgen, dass die Muskeln möglichst lang erhalten bleiben und das Pferd noch lange mit seinen Kollegen auf der Koppel toben kann.
Besonders wichtig ist die hohe Nähr- und Wirkstoffdichte durch die ausgewogene Zusammensetzung von Vitaminen und Mineralstoffen.